Sie haben sich entschieden, an öffentlichen Ausschreibungen teilzunehmen. Gute Entscheidung. Aber wo finden Sie die passenden Aufträge? Die Landschaft der Vergabeplattformen in Deutschland ist vielfältig – und auf den ersten Blick verwirrend. Dieser Guide zeigt Ihnen, wo Sie suchen müssen.
Das Grundprinzip: Alles läuft elektronisch
Seit 2020 ist die elektronische Vergabe (E-Vergabe) für alle öffentlichen Aufträge oberhalb der EU-Schwellenwerte Pflicht. Aber auch unterhalb dieser Grenzen setzen immer mehr Auftraggeber auf digitale Plattformen. Papierbewerbungen sind Geschichte.
Das bedeutet für Sie: Sie brauchen Zugang zu den richtigen Plattformen. Und davon gibt es einige.
Die föderale Realität: Viele Plattformen, ein Ziel
Deutschland ist ein Bundesstaat. Und das merkt man auch bei den Vergabeplattformen. Es gibt keine zentrale Stelle, an der alle Ausschreibungen veröffentlicht werden. Stattdessen:
- Der Bund hat seine eigene Plattform
- Jedes Bundesland betreibt eigene Systeme
- Kommunen nutzen verschiedene Anbieter
- Dazu kommen privatwirtschaftliche Portale
Klingt kompliziert? Ist es auch. Aber mit System lässt sich das bewältigen.
Die wichtigsten Plattformen im Detail
E-Vergabe des Bundes
Die offizielle Vergabeplattform der Bundesverwaltung. Hier finden Sie Ausschreibungen von Bundesministerien, Bundesämtern und anderen Bundesbehörden. Die Registrierung ist kostenlos.
Tipp: Richten Sie Suchprofile ein. So werden Sie automatisch benachrichtigt, wenn neue Ausschreibungen in Ihrem Bereich veröffentlicht werden.
Das Deutsche Vergabeportal (DTVP)
Eine der größten privatwirtschaftlichen Plattformen. Viele Kommunen und öffentliche Einrichtungen nutzen das DTVP für ihre Vergaben. Die Basisfunktionen sind kostenlos, erweiterte Features kosten extra.
Subreport ELVIS
Besonders im Baubereich weit verbreitet. Viele Landesbaubehörden und kommunale Bauämter setzen auf dieses System. Wenn Sie im Baugewerbe tätig sind, kommen Sie an Subreport kaum vorbei.
Landesportale
Fast jedes Bundesland betreibt ein eigenes Vergabeportal:
- Bayern: Vergabeplattform Bayern
- NRW: Vergabemarktplatz NRW
- Baden-Württemberg: Vergabeportal BW
- Sachsen: eVergabe Sachsen
- Brandenburg: Vergabesatellit
- Hamburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt: Eigene E-Vergabe-Systeme
Die Nutzung ist in der Regel kostenlos, erfordert aber jeweils eine separate Registrierung.
EU-weite Ausschreibungen: TED ist Pflicht
Für Aufträge oberhalb der EU-Schwellenwerte führt kein Weg am TED (Tenders Electronic Daily) vorbei. TED ist das Supplement zum Amtsblatt der Europäischen Union und die zentrale Veröffentlichungsplattform für europaweite Ausschreibungen.
Was Sie über TED wissen müssen: - Alle EU-weiten Ausschreibungen müssen hier veröffentlicht werden - Die Suche ist kostenlos - Sie können nach Land, Branche, CPV-Code und vielen anderen Kriterien filtern - Benachrichtigungen per E-Mail sind möglich
TED ist keine Bewerbungsplattform. Die Angebotsabgabe erfolgt über die jeweilige nationale Plattform des Auftraggebers. TED zeigt Ihnen also, dass es eine Ausschreibung gibt – bewerben müssen Sie sich woanders.
Spezialportale nicht vergessen
Neben den allgemeinen Vergabeplattformen gibt es branchenspezifische Portale:
Deutsche Bahn: Das DB Bieterportal ist Pflicht für alle, die Aufträge der Bahn gewinnen wollen. Von Baumaßnahmen über IT-Dienstleistungen bis zu Reinigungsaufträgen – alles läuft über dieses Portal.
Autobahn GmbH: Seit der Autobahnreform gibt es eine eigene Vergabeplattform für Aufträge rund um das Autobahnnetz.
Energieversorger: Große Versorger wie EnBW betreiben eigene Lieferantenportale.
Die richtige Strategie: Systematisch statt chaotisch
Bei so vielen Plattformen ist eine strukturierte Herangehensweise entscheidend:
1. Definieren Sie Ihr Suchprofil
- In welcher Region sind Sie tätig?
- Welche Leistungen bieten Sie an?
- Welche Auftragsgrößen sind realistisch?
2. Registrieren Sie sich gezielt
Nicht jede Plattform ist für Sie relevant. Konzentrieren Sie sich auf:
- Die Plattformen Ihrer Zielregion (Bundesland, Kommune)
- TED für größere Aufträge
- Branchenspezifische Portale, falls zutreffend
3. Richten Sie Benachrichtigungen ein
Alle relevanten Plattformen bieten Alert-Funktionen. Nutzen Sie diese. Tägliches manuelles Durchsuchen ist ineffizient und fehleranfällig.
4. Archivieren Sie systematisch
Speichern Sie alle Ausschreibungsunterlagen strukturiert ab. Sie werden sie für die Angebotserstellung brauchen – und möglicherweise später für Nachweise.
Was kosten die Plattformen?
Die gute Nachricht: Die meisten Grundfunktionen sind kostenlos. Sie können sich registrieren, Ausschreibungen suchen und Angebote abgeben, ohne zu bezahlen.
Kostenpflichtig werden oft:
- Erweiterte Suchfunktionen
- Automatische Benachrichtigungen bei manchen Anbietern
- Premium-Analysetools
- Aggregatoren, die mehrere Plattformen zusammenfassen
Für den Einstieg reichen die kostenlosen Funktionen völlig aus. Wenn Ihr Vergabegeschäft wächst, kann sich ein kostenpflichtiges Abonnement lohnen.
Die häufigsten Fehler vermeiden
Fehler 1: Zu spät dran sein Ausschreibungsfristen sind keine Empfehlungen. Wer die Frist verpasst, ist raus. Richten Sie sich Kalender-Erinnerungen ein.
Fehler 2: Nur eine Plattform nutzen Der passende Auftrag könnte auf einer Plattform veröffentlicht sein, die Sie nicht beobachten. Decken Sie Ihre relevanten Märkte ab.
Fehler 3: Technische Probleme unterschätzen Elektronische Signatur einrichten, Software-Updates durchführen, Browserkompatibilität prüfen – machen Sie das vor dem Abgabetermin, nicht am letzten Tag.
Fazit: Investieren Sie in Ihre Suchstrategie
Die Suche nach passenden Ausschreibungen ist keine Nebensache. Sie ist der erste Schritt zu jedem erfolgreichen Angebot. Investieren Sie Zeit in eine solide Suchstrategie und die richtigen Plattformen.
Im nächsten Artikel erklären wir die Schwellenwerte – also die magischen Grenzen, ab denen unterschiedliche Regeln gelten.
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